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Mehr Transparenz in Finanzangelegenheiten
Mehr Transparenz in Finanzangelegenheiten

Mehr Transparenz in Finanzangelegenheiten

LIMBURG - Das Bistum Limburg ist am Freitag, 18. Juli, einen weiteren wichtigen Schritt gegangen, um eine größere Transparenz in Finanz- und Vermögensangelegenheiten zu schaffen. Zum ersten Mal wurden die Vermögenswerte, aber auch die bestehenden finanziellen Verpflichtungen der Körperschaften Bistum Limburg, Limburger Domkapitel und Schulstiftung vollständig offengelegt. Für die Körperschaft Bischöflicher Stuhl wurden die Zahlen der vorläufigen Bilanz zum 31.Dezember 2012, die sich auch im Abschlussbericht der Prüfungskommission finden, zu Grunde gelegt. Der Jahresabschluss 2013 soll nach externer Prüfung und Anerkennung durch den Vermögensverwaltungsrat im zweiten Halbjahr 2014 veröffentlicht werden.

Bistum stellt sich den Anforderungen an Transparenz

"Für uns ist Transparenz eine wesentliche Grundlage für Vertrauen", sagte Pfarrer Wolfgang Rösch, Ständiger Vertreter des Apostolischen Administrators bei der Pressekonferenz in der Michaelskapelle auf dem Domberg in Limburg. Das Bistum befinde sich nach all den Geschehnissen nun auf einem intensiven Weg der Aufarbeitung. Wichtige Entscheidungen seien bereits gefällt worden und der Weg, der zu neuen Ufern führen soll, werde konsequent weiter gegangen. Die Menschen in der Diözese sollen die Freude am Glauben wiederfinden. "Um kirchliches Leben in den Pfarreien und darüber hinaus zu sichern und Initiativen zu fördern, braucht es ein solides wirtschaftliches Fundament", betonte Rösch. Wirtschaftliches Handeln müsse dabei immer den Anforderungen an Transparenz, Wahrhaftigkeit und Nachhaltigkeit gerecht werden. Diesem Anspruch stelle sich das Bistum Limburg auch mit Blick auf die Zukunft.

Die Jahresabschlüsse und die damit verbundenen Summen stellte der Finanzdezernent des Bistums, Gordon Sobbeck, vor. "Die Bilanz der Körperschaft Bistum Limburg weist eine Bilanzsumme von rund 909 Millionen Euro aus. Sie beinhaltet alle rechtlich unselbständigen Sondervermögen wie etwa den Versorgungsfonds und die Baustiftung", erklärte Sobbeck. Der größte Teil der Bilanz, rund 811 Millionen Euro, ist im Anlagevermögen der Körperschaft gebunden. Dazu zählen Sachanlagen, die zum überwiegenden Teil unmittelbar kirchlich genutzte Immobilien betreffen und einen Buchwert von etwa 80 Millionen Euro haben. "Die Finanzanlagen beinhalten vor allem die Wertpapiere des Anlagevermögens mit einem Buchwert von rund 703 Millionen Euro. Es handelt sich dabei überwiegend um Anteile an Spezialfonds, die dem deutschen Kapitalanlagerecht unterliegen. Diese Anlagen erfolgen risikobewusst, sind über mehrere Anlageklassen hinweg gestreut und berücksichtigen Nachhaltigkeitskriterien", machte Sobbeck deutlich. Rund 6,7 Millionen unter den Finanzanlagen macht zudem die Beteiligung am Gemeinnützigen Siedlungswerk aus, das eine sichere und sozial verantwortbare Wohnungsversorgung breiter Schichten der Bevölkerung unterstützt. Insgesamt zwei Drittel des gesellschaftseigenen Wohnungsbestands von etwa 5.900 Einheiten sind geförderte Sozialwohnungen.

Verpflichtung zur Vorsorge

"Dem Vermögen des Bistums stehen wesentliche Verpflichtungen und Vorsorgepositionen gegenüber. Seit jeher wird im Bistum Limburg eine konservative und vorausschauende Finanzpolitik betrieben", betonte Sobbeck. So gebe es etwa einen Versorgungsfonds zur Sicherung der Altersversorgungsansprüche von Geistlichen, Beamten und Pfarrhaushälterinnen mit einem Gesamtvolumen von rund 204 Millionen Euro. Darüber hinaus ist durch die Gründung einer Baustiftung (Volumen: rund 139 Millionen Euro) und die Bildung von Rücklagen und Rückstellungen zur Finanzierung baulicher Maßnahmen in den Kirchengemeinden und des Bistums in Höhe von rund 136 Millionen Euro Vorsorge getroffen worden. "Auch die Haushaltsordnung des Bistums Limburg verpflichtet uns zur Vorsorge. So haben wir eine Ausgleichs- und Betriebsmittelrücklage von rund 101 Millionen Euro sowie eine Clearing-Schwankungsreserve von rund 54 Millionen Euro gebildet", erläuterte Sobbeck. Das weltkirchliche Engagement des Bistums wird durch die Erträge des Eine-Welt-Fonds mit einem Volumen von rund 28 Millionen Euro zumindest teilweise von der Kirchensteuer unabhängig gemacht. "Wir sehen einen Trend, bei dem die Anzahl der Katholiken im Bistum Limburg sich strukturell verringert und der auch das Kirchensteueraufkommen langfristig sinken lassen wird. Nur durch sparsame Haushaltswirtschaft und konsequente Vorsorge können wir uns der Zukunft und den Ansprüchen der kommenden Generationen verantwortlich stellen", sagte der Finanzdezernent.

Großteil der Kirchensteuer fließt in die Pfarreien

Im Jahr 2013 konnte das Bistum Limburg Kirchensteuern von rund 191 Millionen Euro verwenden. Davon flossen rund 57 Prozent, also 109 Millionen Euro, in die Seelsorge der Pfarreien. Für den Bereich Leitung, zentrale Aufgaben, Verwaltung und synodale Arbeit, der auch die Immobilienverwaltung umfasst, wurden rund 22 Millionen Euro des Kirchensteueraufkommens verwendet. In den Bereich Schule und Bildung flossen rund 15 Millionen Euro und in den Bereich Soziale Aufgaben rund 14 Millionen Euro. Für überdiözesane und weltkirchliche Aufgaben wurden etwa 8 Millionen Euro verwendet und in die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien flossen etwa 7 Millionen Euro des Kirchensteueraufkommens. Insgesamt knapp 7 Millionen Euro stehen für die Seelsorge in besonderen Situationen, für überpfarrliche Seelsorge und die Arbeit in den Bezirken zur Verfügung. Die Verwaltungsgebühren für den Kirchensteuereinzug belaufen sich auf gut 5 Millionen Euro und für den Bereich Liturgie, Kirchenmusik, Museen und Kultur werden rund 3 Millionen Euro verwendet.

Offengelegt wurden auch das Vermögen und die Verpflichtungen des Limburger Domkapitels. Die Bilanzsumme zum 31. Dezember 2013 dieser Körperschaft weist rund 4,4 Millionen Euro auf und ist größtenteils im Anlagevermögen gebunden. Die Summe der laufenden Erträge wird mit rund 2,2 Millionen Euro beziffert. Etwa 1,1 Millionen Euro davon sind Personalaufwendungen, unter anderem für die Betreuung und Ausbildung des Limburger Domchores, der Mädchenkantorei und der Limburger Domsingknaben. Darüber hinaus werden Küster- und Organistendienste ebenso abgebildet wie die Gestellungsleistungen für die Domschwestern. "Das Domkapitel wird seit dem Jahr 2003 auch bilanziell als eigener Rechtsträger ausgewiesen und kann erst seit diesem Zeitpunkt eigene finanzielle Vorsorge betreiben", so Finanzdezernent Sobbeck.

Vorläufige Bilanz des Bischöflichen Stuhls

Er verwies auch auf die bereits mit dem Prüfungsbericht veröffentlichten Zahlen der vorläufigen Bilanz zum 31. Dezember 2012 des Bischöflichen Stuhls zu Limburg, die ein Gesamtvolumen von rund 92 Millionen Euro ausweist. Dabei werden rund 83 Millionen Euro als Anlagevermögen ausgewiesen, wovon gut 49 Millionen Euro auf Sachanlagen entfallen. Hierin sind unter anderem die Investitionen im Zusammenhang mit den baulichen Maßnahmen auf dem Limburger Domberg enthalten. Dem Vermögen stehen Kapital- und Rücklagepositionen sowie Verbindlichkeiten, unter anderem aus der Zwischenfinanzierung der Baumaßnahmen auf dem Domberg, gegenüber. "Inzwischen befinden wir uns in der finalen Prüfungsphase des Jahresabschlusses zum 31. Dezember 2012 und werden diesen in der endgültigen Fassung dem Vermögensverwaltungsrat, dem die Anerkennung obliegt, vorlegen. Daran wird sich die Erstellung und externe Prüfung des Jahresabschlusses zum 31. Dezember 2013 anschließen, den wir nach erfolgter Anerkennung noch im Laufe des zweiten Halbjahres 2014 veröffentlichen möchten", erläutert der Finanzdezernent den aktuellen Stand des Verfahrens.

Beitrag für die Gesellschaft

Die Schulstiftung des Bistums Limburg als rechtsfähige kirchliche Stiftung des bürgerlichen Rechts verfügt über eine Bilanzsumme von rund 31 Millionen Euro. Dabei handelt es sich insbesondere um ein vor allem aus Kirchensteuern gespeistes Stiftungskapital. "Das Bistum Limburg sieht sich verpflichtet, auch durch die Katholischen Schulen in die Gesellschaft hinein zu wirken. Um dies leisten zu können, erbringt die Schulstiftung einen wertvollen Beitrag", so Sobbeck.